von Dr. Günther Wüst
Die Wiesenbacher Gemarkung (1113 ha) ist ein
geschichtsträchtiger Boden. In der Nachbargemeinde Mauer befindet sich
die Fundstelle des berühmten "homo heidelbergensis". Auch die
Römer waren hier schon ansässig. Im Jahre 1969 fand man zwei römische
Siedlungen: die eine nach der Entdeckung einer römischen Brunnenanlage
im "Herrenwald" (nördlich von Wiesenbach), die andere im Ort
selbst, unmittelbar östlich der evangelischen Kirche. Beide Siedlungen,
wohl um die Mitte des 2. Jahrhunderts entstanden, erfüllten als landwirtschaftliche
Gutshöfe (villae rusticae) unweit einer römischen Heerstraße,
die von Heidelberg-Neuenheim über Wiesenbach nach Aglasterhausen führte
und östlich des Neckars die römische Reichsgrenze erreichte, sicherlich
auch militärische Aufgaben. Mit dem Einfall der Alemannen im Jahre 260
gaben die Römer ihre Güter diesseits des Rheins auf.
Zur Zeit der fränkischen Landnahme (seit 500 n. Chr.) entstanden im unteren
Elsenztal zuerst Meckesheim und der Bammentaler Ortsteil Reilsheim. Auf der
Reilsheimer Urgemarkung entwickelten sich dann Siedlungen wie Bammental, Gauangelloch,
Wiesenbach und Neckargemünd. Wiesenbach ist erstmals in einer kurz vor
der Mitte des 12. Jahrhunderts geschriebenen Urkunde erwähnt, aber seine
Existenz darf schon für das frühere Mittelalter als erwiesen gelten.
Im Jahre 1964 wurde bei Grabarbeiten in der Nähe der beiden Ortskirchen
das Bruchstück einer Grabplatte freigelegt, deren lateinische Inschrift
ins 9. Jahrhundert deutet und auf einen frühmittelalterlichen Adelshof
in Wiesenbach schließen läßt. Er befand sich später
nachweislich im Besitz der Grafen von Lauffen. Aber nicht nur unter dem "Schloßberg"
bei der evangelischen und katholischen Kirche sondern auch südöstlich
Wiesenbachs, über dem steil zum Biddersbach abfallenden Hang des "Kühbergs"
bei den Gewannen "Burgstadel" und "Altes Schloß",
erhob sich einst eine ihrer Burgen. Wie sie aussah, wann sie entstand und
wie sie wieder verging, wissen wir nicht. Bereits im Jahr 1870 hat der damalige Bezirksförster Schabinger den hier abgebildeten Stein gefunden und an den Konservator der großherzoglichen Altertumshalle in Karlsruhe übergeben. Dieser Stein befindet sich heute im Badischen Landesmuseum in Karslruhe.
1936 stieß hier das Vermessungsamt Heidelberg beim Vermarken des Geländes beim Kühberg auf hochmittelalterliche Spuren. Es wurden zwei Staufische Kapitelle gefunden, die ebenfalls von einer Burg stammen müssten. Sie befinden sich im Heimatmuseum in Wiesenbach.

Als Lehensleute des Wormser Bischofs, der um das Jahr 1000 im Namen des Kaisers
auch das untere Neckartal beherrschte, walteten die Grafen von Lauffen von
Wiesenbach aus über die Orte im näheren Umkreis. Ihr Herrschaftsbereich
war wohl im wesentlichen identisch mit dem in kurpfälzischer Zeit faßbaren
Verwaltungs- und Hochgerichtsbezirk der Meckesheimer (bzw. Neckargemünder)
Zent. Auf der Höhe südlich von Wiesenbach stand auch, als Zeichen
der Hochgerichtsbarkeit, der Galgen. Aber um das Jahr 1140 überließen
die Lauffener Grafen ihren Wiesenbacher Besitz der Benediktinerabtei Ellwangen
und verlegten ihren Sitz auf den Dilsberg. Die Dilsberger Burg ist allerdings
erst 1208 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1330 gelangte die Dilsberger
Herrschaft dann an die Pfalzgrafen von Heidelberg, der ihr Dilsberger Amt
bis zum Ende der Pfalz und der Entstehung des Landes Baden (1806) nicht wieder
herausgaben.
Schon bald nach der Lauffener Schenkung an die Abtei Ellwangen entstand in
Wiesenbach ein Kloster, das zum Sitz einer Probstei und zur Verwaltungszentrale
für den ellwangischen Streubesitz (im unteren Neckarland) erhoben wurde.
Anläßlich des Erweiterungsbaus der katholischen Kirche konnte das
Landesdenkmalamt in jüngster Vergangenheit durch Grabungen die Maße
der hochmittelalterlichen Klosterkirche feststellen. Das in der Nähe
der eigentlichen Pfarrkirche zu Ehren des hl. Georg errichtete "Münster",
eine dreischiffige Basilika, war beachtliche 41 m lang und 15 m breit, im
Westen von zwei stattlichen Türmen bewehrt und verfügte im Osten
unter dem Chorraum über eine Krypta. Ihren Dimensionen und ihrer überörtlichen
Bedeutung entsprach auch der klösterliche Besitz in den Nachbargemarkungen.
Es waren im wesentlichen Mühlen und Gutshöfe mit ihren Wirtschaftsflächen.
Sie lagen in Bammental, Neckargemünd, Mauer, Meckesheim, Langenzell,
Dilsberg, Waldwimmersbach, Lobenfeld, Spechbach, Eschelbronn und Zuzenhausen,
aber auch - als letztes Erbe der ursprünglich in Schriesheim eingerichteten
ellwangischen Verwaltung - in Nußloch.
Die klösterliche Grundherrschaft von Wiesenbach dokumentiert sich in
einem Kammergericht, dem die Schultheißen der umliegenden Orte angehörten
und das unter dem Vorsitz des Wiesenbacher Ortsschultheißen jährlich
sechsmal tagte. Es sah seine Hauptaufgabe - zumindest im Spätmittelalter
- vor allem in der Eintreibung ausstehender Grundzinsen. Die Zahl der Mönche
im Wiesenbacher Kloster war stets bescheiden, ebenso der Ertrag der Klostergüter.
Im Jahre 1482 gingen die Ellwangischen Besitzungen in Wiesenbach infolge wirtschaftlicher
Schwierigkeiten auf das Kloster Schönau über. Um 1560 wurde es dann
im Zuge der Reformation aufgelöst. Die Wiesenbacher Probstei wurde jetzt
in der Geistlichen Administration der pfälzischen Verwaltung für
eingezogenen Kirchenbesitz mit den Lobenfelder Klostergütern zur "Schaffnei
Lobenfeld" vereinigt. Bei der Teilung der pfälzischen Kirchengüter
1801 fiel die Gütermasse der Schaffnei Lobenfeld - anders als die ehemaligen
Schönauer Klostergüter - den Katholiken zu. 1884 wurden die Lobenfelder
Schaffneigüter mit der Schaffnei Heidelberg zur "Pfälzer Katholische
Kirchenschaffnei" zusammengeschlossen. Ihr gehören noch heute in
der Wiesenbacher Gemarkung 154 ha (meist Wald).
Dies bedeutet aber zugleich, daß sich der einst ellwangische Besitz
in Wiesenbach heute zum größten Teil in Privathand befindet. Der
Prozeß des Übergangs erstreckte sich über eine längere
Zeit. Schon 1556 kaufte beispielsweise der damalige Wiesenbacher Schultheiß
das klösterliche Fronhofgebäude auf, das seit alters an den Ortsschultheißen
verpachtet war. Aber erst die Einteilung der klösterlichen Feldgüter
im Jahre 1789 in zwanzig Lose war für die Entwicklung des bäuerlichen
Grundbesitzes in Wiesenbach von entscheidender Bedeutung. Bald nach der Realteilung
des Kirchenvermögens in der Pfalz 1801 folgte die Ablösung der Grundzinse.
Sie erstreckte sich bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts
und bescherte den Wiesenbacher Bauern erstmals Eigenbesitz in größerem
Umfang.
Die Wiesenbacher Bevölkerung, die zum Ende der klösterlichen Zeit
mehr als hundert Personen zählte, blieb bis ins vergangene Jahrhundert
trotz ihres deutlichen Wachstums zahlenmäßig recht klein. Im Jahre
1900 hatte der Ort erst 710 Einwohner aufzuweisen. Erst jetzt begann man die
beiden alten Wiesenbacher Ortsteile Ober- und Unterwiesenbach baulich miteinander
zu verbinden. Hatte sich einst Oberwiesenbach mit dem "Vorstädtl"
im Anschluß an das Kloster entwickelt, so war Unterwiesenbach etliche
hundert Meter abwärts im Anschluß an eine mittelalterliche Mühle
und einen herrschaftlichen Schafhof entstanden. Wie die Gehöfte im Oberdorf,
so orientierten sich die Höfe in Unterwiesenbach entlang der alten pfälzischen
Geleitstraße (Poststraße). An ihr errichtete man die Gasthäuser
und (im 19. Jahrhundert) das Wachthaus und das badische Forsthaus. 1817 entstand
mit dem "Badischen Hof" am Ortsausgang nach Neckargemünd eine
Poststation. In der Poststraße stand auch die Wiesenbacher Ziegelei.
Als Goethe 1797 auf seiner Reise in die Schweiz durch Wiesenbach kam, notierte
er: "Wiesenbach, sauberes Dorf, alles mit Ziegeln gedeckt. Die Männer
tragen blaue Röcke und mit gewirkten Blumen gezierte weiße Westen".
Mit dem Bau des neuen Schul- und Rathauses schuf man zu Beginn unseres Jahrhunderts
(1901/02) einen markanten Ortsmittelpunkt. Langsam wuchs jetzt der langgestreckte
Ortsetter zusammen. Ein ortsgeschichtlich bedeutsames Ereignis zwischen den
Weltkriegen war die Eingemeindung von Langenzell 1925. Der 2 km östlich
von Wiesenbach gelegene Ort Langenzell war einst ein selbstständiges
Dorf und hatte einen Schultheißen, aber es starb während des Dreißigjährigen
Krieges (1636) aus, wurde später vom Kurfürsten an den Grafen Robert
Leslie als Lehen ausgegeben, nach dem Scheitern der Rekultivierung 1686 französischen
Glaubensflüchtlingen aus der Dauphiné überlassen und kam
schließlich im 18. Jahrhundert an die pfälzischen Diensten stehende
Familie von Wrede, die es verstand, hier Ackerbau und Viehzucht mustergültig
zu entwickeln. 1840 ging Langenzell an den Grafen Wilhelm von Reichenbach-Lessonitz,
1880 an Prinz Alfred zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg über. Im
Besitz dieser Familie, die in einer großen Parkanlage ein neues Schloß
errichtete, befindet sich Langenzell noch heute.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Wiesenbach seinen Charakter als bäuerliches
Straßendorf mehr und mehr verloren, vor allem seit der zügigen
Baulanderschließung im Anschluß an das Vorstädtel und der
nördlichen Ortserweiterung entlang der Panoramastraße, die auch
den Bau eines neuen Volksschulgebäudes bescherte (1963/ 67). Auch im
Westen wurde der Wiesenbacher Ortsetter wesentlich erweitert. Unter den Gemeinden
des Rhein-Neckar-Kreises hat Wiesenbach seit Kriegsende eine beachtliche Expansion
vorzuweisen: Die Einwohnerzahl (heute über 3000) hat sich mehr als verdreifacht,
die bebaute Wohnfläche mehr als vervierfacht.
Was Wiesenbach als Wohngemeinde empfiehlt, ist vor allem seine landschaftlich
reizvolle Lage zwischen dem Odenwald und dem Kraichgauer Hügelland und
die durch günstige Verkehrswege gewährleistete schnelle Erreichbarkeit
der Großstädte. Wichtige kommunale Versorgungseinrichtungen sind
vorhanden. Das Freizeitangebot läßt kaum Wünsche offen.
Bei der Gemeindereform der siebziger Jahre hat Wiesenbach seine Selbständigkeit
wahren können. Es bildet zusammen mit Neckargemünd, Bammental und
Gaiberg einen Gemeindeverwaltungsverband. Überörtliche Kooperation
gibt es jedoch schon seit den sechziger Jahren: Mit dem Beitritt zum Wasserzweckverband
"Unteres Elsenztal" sicherte Wiesenbach seine Wasserversorgung mit
dem Anschluß an den Abwasserzweckverband "Im Hollmuth" den
Bau einer Gemeinschaftskläranlage auf Bammentaler Gemarkung.
Im Jahre 1996 wurde der Zweckverband Hochwasserschutz Einzugsbereich Elsenz-Schwarzbach
gegründet, dem die Gemeinde Wiesenbach beigetreten ist. Dieser Verband
baut auch das Hochwasserrückhaltebecken am Ortseingang mit einem Rückhaltevolumen
von 85.000 m3.
Größere Industriebetriebe fehlen in Wiesenbach. So sind die meisten
Wiesenbacher Auspendler und verdienen ihren Lebensunterhalt in den Städten.
Immerhin gibt es in Wiesenbach mehr als hundert Gewerbebetriebe mit etwa zweihundert
Beschäftigten. Die Zahl der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe
(1960 noch 27) ist mehr und mehr zurückgegangen.
Verfaßt von Herrn Dr. Günther Wüst
P.S. Eine Kurzfassung der Ortsgeschichte, von Herrn Dr. Wüst Anfang 1992
verfaßt und von der Gemeinde herausgegeben, kann im Rathaus erworben
werden.
Siehe auch: Literatur und Sehenswürdigkeiten
zur Ortsgeschichte von Wiesenbach
Jungsteinzeit
Das Bruchstück eines Steinbeils aus Basalt stellt bislang das älteste
Zeugnis menschlichen Lebens und Wirkens auf Wiesenbacher Gemarkung dar. Es
stammt aus der Jungsteinzeit (3500 – 1800 v. Chr.) und wurde bei Grabarbeiten
an der unteren Waldstraße gefunden. In den nahen Sandbänken einstiger
Neckarschleifen haben freilich schon Menschen der Altsteinzeit ihre Spuren
hinterlassen.
Um 130 n. Chr.
Am „Schlossberg“ und im „Herrenwald“ entstehen römische
Siedlungen (villae rusticae).
260
Mit dem Eindringen der westgermanischen Alamannen in römisch besetztes
Gebiet endet die Römerherrschaft im Jahr 260 nicht nur in Wiesenbach.
Die Völkerwanderung führt schließlich zum Zusammenbruch des
weströmischen Reiches (476).
Nach 500
Die westgermanischen Franken besiedeln das untere Elsenztal. Ein großes
christliches Frankenreich umfasst weite Gebiete Westeuropas und beeinflusst
die politische, kirchliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung Europas
für Jahrhunderte.
9. Jh.
Ein Grabplattenfragment mit einer lateinischen Inschrift, im Gelände
der späteren Propstei (s.u.) gefunden, bezeugt die Existenz Wiesenbachs
erstmals für das 9. Jahrhundert. Diese bislang älteste mittelalterliche
Inschrift im Rhein-Neckar-Kreis verweist auf die Bedeutung Wiesenbachs als
Sitz einer frühen Regionalverwaltung.
Um 1140
Im 12. Jahrhundert wird Wiesenbach als Eigentum der Grafen von Lauffen erkennbar.
Als Lehnsmänner des Königs und der Wormser Bischöfe zählten
sie zu den mächtigsten Herren der Region. Um 1140 verlegten sie ihre
Residenz von Wiesenbach auf den Dilsberg und schenkten ihre Wiesenbacher Grundherrschaft
mit Besitz und Rechten in den Nachbargemarkungen der Abtei Ellwangen zur Gründung
eines Klosters. Dies hatte als Propstei bald den gesamten ellwangischen Streubesitz
im Rhein-Neckar-Raum zu verwalten. An der Stelle der heutigen katholischen
Kirche erhob sich eine dreischiffige Klosterkirche St. Georg (41 m lang, 15
m breit), deren Krypta wohl ursprünglich als Grablege der Grafen von
Lauffen gedacht war.
1219
Mit dem Aussterben der Grafen von Lauffen in der männlichen Linie verliert
dies Geschlecht weitgehend seine Macht. Dies hat auch Folgen für die
Entwicklung des Wiesenbacher Klosters. Landesherren im unteren Elsenztal (Neckargemünder
Zent) werden zunächst die Stauferkönige.
Um 1300
Ersterwähnung des Ortsteils Langenzell in einem Lehenbuch der Bischöfe
von Speyer
1330
Um 1330 erhalten die Pfalzgrafen von Heidelberg mit verschiedenen Reichspfandschaften
auch die staatliche Oberhoheit über Wiesenbach für nahezu 500 Jahre.
Von 1347 bis 1803 gehört Wiesenbach zum kurpfälzischen Amt Dilsberg.
1337/1399
Schultheißen in Langenzell (1337) und Wiesenbach (1399) werden zwar
erst seit dem 14. Jahrhundert urkundlich genannt. Eine Bürgergemeinde
als eigenständige politische Kraft mit Besitz und Befugnissen dürfte
sich aber schon in der Frühzeit des Klosters gebildet haben.
1370
Die Wiesenbacher Pfarrkirche St. Aegidius (heute evangelische Kirche) wird
urkundlich erstmals erwähnt, ist aber wesentlich älter. Zur Wiesenbacher
Pfarrei gehörten vor der Reformation die Filialen Langenzell und Dilsberg.
1482
Die Wiesenbacher Propstei gerät im Laufe des 15. Jahrhunderts zunehmend
in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wird schließlich 1482 von der
Abtei Ellwangen an das Kloster Schönau verkauft.
1563
Im Zuge der Reformation werden in der Kurpfalz zahlreiche Klöster geschlossen,
darunter auch das Kloster Wiesenbach. Propsteikirche und Klostergebäude
werden dem Verfall preisgegeben. Mit der Verwaltung eingezogener Kirchengüter
beauftragt der Heidelberger Kurfürst eine Geistliche Administration.
Über sie gelangt ein Großteil des Wiesenbacher Klosterbesitzes
später an die Pfälzer Katholische Kirchenschaffnei.
1614
Erste Erwähnung eines reformierten Schulmeisters in Wiesenbach. Das Schulhaus
befand sich nachweislich schon vor 1660 am Schlossberg (9).
1636
Während des Dreißigjährigen Krieges stirbt der Ort Langenzell
aus.
1693
Die von der kurpfälzischen Regierung angestrebte Rekultivierung von Langenzell
durch französische Glaubensflüchtlinge (seit 1686) scheitert am
Pfälzischen Erbfolgekrieg, da französische Truppen mit verheerenden
Folgen in die Kurpfalz einfallen und die Langenzeller Siedler zur Flucht veranlassen.
1733
Der Dilsberger Amtsverweser Franz Joseph von Wrede beginnt mit dem Ankauf
von Gütern in Langenzell. Bis 1762 bringt sein Sohn Ferdinand Joseph
die Gemarkung vollends an sich. Langenzell entwickelt sich jetzt zum landwirtschaftlichen
Mustergut, das am Ende der kurpfälzischen Zeit neben einem stilvollen
Herrenhaus, einem Verwaltergebäude und einem geräumigen Schweizerstall
auch über eine Schmiede, eine Wagnerwerkstatt, eine Ziegelhütte
und eine Brennerei verfügt. Durch infrastrukturelle Maßnahmen wie
kostspielige Straßenbauten, als Arbeitgeber und durch die Unterstützung
der noch kleinen katholischen Gemeinde gewinnt die Familie von Wrede für
Wiesenbach zunehmend an Bedeutung.
1734
Katholische Kinder erhalten erstmals Schulunterricht.
1748
Die 1735 auf den Fundamenten der Klosterkirche errichtete katholische Kirche
St. Michael erhält ihre Weihe (Erweiterungsbau 1776).
1766
Nach dem Bau eines Pfarrhauses wird St. Michael Wiesenbach, bisher Filiale
von Neckargemünd, selbstständige Pfarrei mit den Filialen Bammental
und Langenzell.
1779
Die reformierte Gemeinde, bisher Filiale von Neckargemünd, wird (bis
1810) selbstständige Pfarrei mit den Filialen Langenzell, Dilsberg und
Mückenloch.
1797
Goethe notiert auf seiner Durchreise: „Wiesenbach, sauberes Dorf, alles
mit Ziegeln gedeckt. Die Männer tragen blaue Röcke und mit gewirkten
Blumen gezierte weiße Westen...“
1803
Beim Entstehen des Großherzogtums Baden wird Wiesenbach dem neu errichteten
badischen Amt Neckargemünd (bis 1857), später (1864) dem Bezirksamt
Heidelberg zugeordnet.
1817
Von seiner Lage am Schnittpunkt wichtiger Fernverkehrsstraßen profitiert
Wiesenbach nicht nur in der pfälzischen, sondern auch in der frühen
badischen Zeit. Zu den Gaststätten im Unterdorf gesellen sich durch staatliche
Maßnahmen ein Forstamt und 1817 der „Badische Hof“ mit einer
Posthalterei.
1838/1839
Am Schlossberg entsteht durch den Umbau eines Hirtenhauses erstmals ein Rathaus
in Kombination mit einer katholischen Schule (an der Stelle des heutigen evangelischen
Pfarrhauses).
1840
Langenzell gelangt durch Kauf an den Grafen Wilhelm von Reichenbach-Lessonitz,
der es später seinem Schwiegersohn Prinz Alfred von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg
vererbt.
1846
Das um 1750 neu erbaute, aber nach der Vereinigung von Reformierten und Lutheranern
zur Evangelischen Landeskirche (1821) zu klein gewordene evangelische Gotteshaus
wird erweitert.
1880
In Langenzell wird bis 1883 ein neues Schloss errichtet.
1886
Mit der Gründung des Männergesangvereins „Liederkranz“
(1886), eines katholischen (1887) und eines evangelischen Kirchenchors (1893),
eines Militärvereins (1890) und des Turnvereins „Germania“
(um 1890) beginnt die Geschichte eines regen und vielseitigen Wiesenbacher
Vereinslebens.
1891
Ein modernes Versorgungsnetz ermöglicht in Wiesenbach die ersten Hauswasserleitungen.
1902
In der Ortsmitte wird ein neues Schul- und Rathaus errichtet. Damit geht die
Zeit der Konfessionsschulen zu Ende. Das kaiserzeitliche Gebäude dient
heute ausschließlich der Gemeindeverwaltung. Im Dachgeschoss befindet
sich ein Heimatmuseum.
1913
Prinz Alfred verpachtet die Langenzeller Hofgüter mit Ausnahme des Schlosses
und der Gärtnerei an die Süddeutsche Zucker-AG ( bis 1990).
1921
Wiesenbach wird erstmals mit elektrischem Strom versorgt.
1925
Die Gemarkungen von Wiesenbach (601 ha) und Langenzell (511 ha) werden vereinigt.
1928
Durch die Eröffnung einer Postbuslinie wird Wiesenbach an das öffentliche
Verkehrsnetz angeschlossen.
1945/1946
Die Bevölkerung wächst durch den Vertriebenenzustrom nach dem Zweiten
Weltkrieg um mehr als 50 Prozent. Der größere Anteil der Zugezogenen
stammt aus dem Sudetenland, aus Ungarn und Jugoslawien. Der Bevölkerungsanstieg
führt zunächst zur Baulanderschließung am Mühlbuckel
und in der Ringstraße.
1954
Bau einer Kultur- und Festhalle (heute Bürgerhaus)
1956
Einweihung der Marienkapelle
1956/1959
Ortskanalisation und Ausbau der Hauptstraße
1959
Beginn der Ansiedlung von Industriebetrieben
1959/1960
Bau eines Kindergartens und einer Schwesternstation beim katholischen Pfarrhaus
(Schließung der Schwesternstation 1971)
1960
Die Gründung des Wasserzweckverbands „Unteres Elsenztal“
schafft die Voraussetzungen für eine einwandfreie Wasserversorgung.
1962
Mit dem Beginn umfangreicher Baulanderschließungen sorgt die Gemeinde
für eine neue Phase bemerkenswerten Bevölkerungswachstums.
1964
Die Gründung des Abwasserzweckverbands „Im Hollmuth“ führt
zum Bau einer Gemeinschaftskläranlage (1978/1981).
1967
Die heutige Grundschule wird ihrer Bestimmung übergeben. (Verlegung der
Hauptschule nach Mauer 1966)
1973
Bei der Bildung des Rhein-Neckar-Kreises im Zuge einer Verwaltungsreform kann
Wiesenbach seine Selbstständigkeit bewahren.
1974
Neckargemünd, Bammental, Wiesenbach und Gaiberg schließen sich
zu einem Verwaltungsverband zusammen.
1975
Die Krankenpflegestationen der evangelischen (als Frauenverein überkonfessionell
gegr. 1902) und der katholischen Gemeinde (gegr. 1924) werden nach ihrem Zusammenschluss
zum „Krankenpflegeverein Wiesenbach e.V.“ (1975) in die Sozialstation
Neckargemünd integriert. Seit 1997 erfüllt der Krankenpflegeverein
als „Nachbarschaftshilfe“ auf örtlicher Ebene vielfältige
soziale Aufgaben.
1977/1981
Die katholische Kirche erhält mit einem modernen Erweiterungsbau ihre
heutige Gestalt. Zum Pfarrzentrum gehört nun auch ein geräumiges
Gemeindehaus.
1982
Mit der Fertigstellung einer großen Mehrzweckhalle (Biddersbachhalle)
erhält Wiesenbach ein repräsentatives Gemeindezentrum.
1985
Bau des evangelischen Pfarrhauses
1988
Abschluss der Partnerschaft mit Donnery (Frankreich)
1988
Vertrag mit der Energie- und Wasserwerke Rhein-Neckar AG Mannheim über
die Erdgasversorgung
1988
Erstmals Auslegung von Breitbandkabeln für das Kabelfernsehen durch das
Fernmeldeamt Heidelberg
1989
Die Freizeitanlage auf dem „Kühberg“ (mit Hütte und
Zeltplatz) wird ihrer Bestimmung übergeben.
1989
Umbau der Kultur- und Festhalle zum Bürgerhaus und Bauhof
1990
Erste partnerschaftliche Kontakte mit Deszk (Ungarn)
1992
Erstellung einer neuen Friedhofskapelle
1994
Erste partnerschaftliche Kontakte mit Smiltene (Lettland)
1995
Bau des evangelischen Gemeindehauses
1996
Der kommunale Kindergarten „Unterm Regenbogen“ nimmt in der Grundschule
seine Arbeit auf.
1997
Errichtung eines Edeka-Marktes in der Ortsmitte
1996
Beitritt der Gemeinde zum Hochwasserschutz-Zweckverband „Elsenz-Schwarzbach“
1999
Die evangelische Gemeinde, lange Zeit Filiale von Bammental (seit 1810) und
Mauer (seit 1965), wird wieder selbstständige Pfarrei, Waldhilsbach wird
Wiesenbacher Filiale.
2001
Freundschaftsvereinbarungen mit den Gemeinden Smiltene/Lettland und Deszk/Ungarn
2003
Anschluss des Wasserzweckverbands an die Bodensee-Wasserversorgung
2007
Neubau eines Feuerwehrhauses
2009
Abschluss der Partnerschaft mit Deszk (Ungarn)