Inmitten eines ausgedehnten Waldgebietes nördlich von Wiesenbach wurde 1969 ein römischer Holzkastenbrunnen entdeckt und rekonstruiert. Ein Jahr später wurde unweit davon eine römische Siedlung ausgegraben und konserviert.
Der damalige Förster Walter Hug und der Archäologe Dr. Berndmark Heukemes (Bildmitte) zeichneten dafür verantwortlich.

Lage: Der Gutshof liegt an einem südwärts geneigten Hang inmitten eines ausgedehnten Waldgebietes etwa 2,3 km nordöstlich der Ortsmitte von Wiesenbach. Man erreicht ihn von einem Parkplatz aus, der östlich der Straße Neckargemünd - Wiesenbach an der südlichen Waldspitze liegt. Von hier aus führt ein ausgebauter Waldweg in anfangs östlicher, dann nordöstlicher Richtung zum Gutshof.

Römische Fundstellen um Wiesenbach.
1 römischer Brunnen, 2 Gutshof, 3 römische Straße, 4 römische
Gebäudereste.
Geschichte der Erforschung:
Der Gutshof im Herrenwald wurde 1970 bei planmäßigen Geländebegehungen
durch B. Heukemes gefunden. Von 1972 - 1974 führte er Ausgrabungen durch,
die sich auf das Hauptgebäude und Teile der Umfassungsmauer konzentrierten.
Anschließend wurde das Hauptgebäude konserviert. Ergänzende
Untersuchungen galten 1980/81 wiederum der Umfassungsmauer und einem Wirtschaftsgebäude.
Dabei kamen auch Baulichkeiten außerhalb der Hofeinfassung zutage. Da
die Baureste des Gutshofes durch die forstliche Nutzung nicht gefährdet
sind, wurde auf ihre weitere Ausgrabung vorerst verzichtet.
Beschreibung:
Die Umfassungsmauer, die teilweise restauriert, teilweise aber nur als Schuttwall
im Gelände kenntlich ist, bildet ein leicht schiefwinkliges Viereck von
etwa 88 zu 120 m. Da nur ihr westlicher Teil untersucht ist, lassen sich für
die übrigen Seiten keine exakten Maße angeben. Ein Tor ist bisher
nicht gefunden worden. Anzeichen deuten darauf hin, daß eines in der
Mitte der südlichen Umfassungsmauer gelegen hat. Eine Türschwelle
aus Stubensandstein fand sich im Nordteil der Westmauer. Sie war dort in zweiter
Verwendung als Baumaterial in das Mauerwerk eingesetzt worden.
In die nordwestliche Hofecke ist ein kleines Gebäude eingefügt, das vermutlich als Wirtschaftsgebäude diente. Außerhalb des Gutshofes fanden sich vor der westlichen Hofmauer Reste mehrerer kleiner Gebäude, von denen eines wohl als Getreidedarre anzusprechen ist. Sie gehören zu einemälteren Bauzustand des Gutshofes, denn die jetzt restaurierten Teile der Umfassungsmauer liegen stellenweise über ihren Grundmauern. Innerhalb des Gutshofes befinden sich noch die Reste weiterer Gebäude, die dem Wirtschaftsbetrieb gedient haben dürften; sie wurden bisher nicht ausgegraben.

Der römische Gutshof bei Wiesenbach. Plan des Hauptgebäudes 1:400.
Das Hauptgebäude an der Nordseite des Hofes ist ebenfalls nicht vollständig freigelegt.Es fehlt die nach Süden gerichtete Hauptfront. Restauriert sind die Wände von fünf Räumen, die jedoch in dieser Form in römischer Zeit nicht gleichzeitig bestanden haben. So gehört der Keller unter der mittleren Halle zusammen mit der Mauer, die die Kellertreppe nördlich begrenzt, zu einer älteren Bauphase, was sich daraus ergibt, daß sein Fenster jetzt ins Innere des Hauses führt. Ursprünglich dürfte es inder Südfront des Gebäudes gelegen haben und ist bei einem Umbau zugesetzt worden. Insgesamt ist mit mindestens einer gründlichen Erneuerung des Hauses zu rechnen.

Wie die Räume im einzelnen genutzt wurden, läßt sich aus den erhaltenen Resten nicht erschließen. Sicher diente das 4x4 m große Zimmer in der Südostecke des Hauses als Wohnraum, das als einziges beheizt werden konnte. Die eigentliche Feuerstele (praefurnium) lag in der Mittelhalle; die hier erzeugte Heißluft wurde durch einen Mauerdurchbruch unter den Fußboden des Eckraumes geleitet, der von Pfeilern aus Ziegelplatten getragen wurde (sog. Hypokaustheizung).
Der Keller war vermutlich mit einer Falltür verschlossen. Die Restaurierung zeigt die Aussparungen im Mauerwerk, in denen Balken seiner Holzdecke lagen. Die Fugen zwischen den einzelnen Steinen der Wände wurde durch rote Bemalung auf weißem Kalkmörtel besonders hervorgehoben. Die drei Wandnischen dienten vermutlich zum Abstellen von kleineren Vorratsgefäßen.
Die Funde aus den Grabungen erlauben bisher nur, die Erbauung des Gutshofhofes ganz allgemein in die Zeit um 130 n.Chr. zu datieren. Sein Ende dürfte er während der Alamanneneinfälle, spätestens 259/60 n.Chr. gefunden haben.
Umgebung: In römischer Zeit dürfte ein weiterer Bezirk um den Gutshof waldfrei gewesen sein, da andernfalls ein so großer landwirtschaflicher Betrieb hier nicht hätte existieren können. Erst in nachrömischer Zeit setzte die Bewaldung ein, die sich bis heue gehalten hat.
Im Zusammenhang mit dem Gutshof steht vielleicht ein römischer Brunnen mit Holzverkleidung, der weiter westlich zufällig entdeckt wurde. Da sich in seiner unmittelbaren Umgebung jedoch noch weitere Siedlungsreste befinden, könnte er auch diesen zuzuordnen sein. Ansatzpunkt für die intensive römische Siedlungstätigkeit in diesem Bereich war wohl die 700 m weiter sündlich verlaufende Fernstraße, die das römische Hinterland um Heidelberg und Ladenburg mit dem Limes verband.
Das Gräberfeld, das jeweils zu einem Gutshof dieser Größe gehört, ist bisher noch nicht gefunden worden. Es ist auf jeden Fall außerhalb der Umfassungsmauer zu suchen.
(Auszug vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg)