Wiesenbach
Teil des Waldstücks am Kapellenweg wird zugunsten von Insekten und Eidechsen umgestaltet
Bereits am kommenden Montag 9. Februar wird am Ende des Kapellenweges auf einer Fläche von knapp 0,3 Hektar Wald gefällt. Dabei bleiben stärkere Eichen und Buchen bewusst stehen. Weitere etwa 0,5 Hektar werden zunächst aufgelichtet, um die Passierbarkeit für die Eidechsen zum späteren Saum zu verbessern.
Die betroffene Fläche soll in einen sogenannten Niederwald überführt werden. Dabei handelt es sich um einen lichten, vielstämmigen Wald, der in regelmäßigen Abständen – beispielsweise alle 5 bis 10 oder 10 bis 30 Jahre – zurückgeschnitten wird. Die Gehölze treiben anschließend wieder aus dem Stock aus. Diese Form der Waldbewirtschaftung wurde über Jahrhunderte hinweg zur Holz- und Futtergewinnung genutzt, ist heute jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten und wird nur noch selten praktiziert.
Ein großer Vorteil des Niederwaldes besteht darin, dass deutlich mehr Sonnenlicht den Waldboden erreicht. Dadurch entstehen wärmere und trockenere Bedingungen, von denen zahlreiche Pflanzen- und Tierarten profitieren, die in geschlossenen, schattigen Wäldern kaum Lebensraum finden. Es bildet sich über die Zeit eine artenreiche Krautschicht, und insbesondere viele Käfer- und Schmetterlingsarten fühlen sich hier wohl.
Der geplante Niederwald erfüllt in Wiesenbach zwei zentrale Funktionen:
Vernetzung von Lebensräumen für Schmetterlinge
Übergangshabitat für Eidechsen
Zu 1.:
Wiesenbach verfügt erfreulicherweise noch über eine vergleichsweise hohe Artenvielfalt an Schmetterlingen. Allerdings ist der Austausch zwischen den Populationen südlich und nördlich des Orts erschwert. Dichte Waldstreifen und der Schatten eng stehender Bäume wirken für viele Schmetterlingsarten als Barriere. Dunkle „Wände“ werden gemieden, sodass der Bach mit seinem begleitenden Baumstreifen nur selten überflogen wird. Der lichte Niederwald soll hier als verbindendes Element im Sinne der Biotopverbundplanung wirken.
Zu 2.:
Im Bereich der Böschung zwischen Straße und Sportplatz, wo künftig der neue Radweg gebaut wird, wurden im Rahmen einer artenschutzrechtlichen Untersuchung Zauneidechsen nachgewiesen. Da es sich um eine streng geschützte Art handelt, ist die Schaffung eines Ausgleichshabitats erforderlich. Vorgesehen ist hierfür ein etwa 2.100 Quadratmeter großer, krautreicher Saum an einem Acker in den Kühbergwiesen.
Da dieser Saum nach seiner Anlage jedoch Zeit benötigt, um sich zu entwickeln und für die Zauneidechsen geeignet zu werden, übernimmt der Niederwald übergangsweise die Funktion eines sogenannten Trittstein-Habitats. In den ersten Jahren, solange die Stockausschläge noch niedrig und licht sind, erreicht ausreichend Sonne den Boden. Dadurch entstehen warme Bereiche, die sowohl für Eidechsen als auch für Insekten attraktiv sind. Ergänzt durch Reisighaufen entsteht so ein geeigneter Lebensraum.
Die Maßnahme „Niederwald“ geht auf die kommunale Biotopverbundplanung (www.wiesenbach-online.de/biotopverbundplanung) zurück. Sie wurde von einem erfahrenen Fachplaner vorgeschlagen und mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Auch der geplante mesophytische Saum basiert inhaltlich auf den Zielen der Biotopverbundplanung. Ursprünglich war hier eine Dauerbrache vorgesehen, der nun geplante Saum stellt jedoch eine ökologische Aufwertung für die Tier- und Pflanzenwelt dar.
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